DIE AMERIKANISCHE POP ART
Allgemein
Die Kunstrichtung „Pop Art“
(aus dem Englischen für „popular Art“ = „volkstümliche Kunst“) entstand Mitte
der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts unabhängig voneinander in den USA und in
England. Die Pop Art-Künstler verwendeten für ihren künstlerischen Ausdruck vorwiegend Motive aus dem Alltag, Konsum, Massenmedien und Werbung. Interessant für die Künstler stellten sich insbesondere menschliche Idole des amerikanischen Normalbürgers dar (z.B. Präsident Kennedy, Marilyn Monroe), nebst banalen Geschehnissen und Gegenständen, die von ihrer Unscheinbarkeit ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt wurden.
Die Darstellung erfolgte
dann in Form von überdimensionalen Comics oder zumindest im Stil der Comics mit
schwarz umrandeten Formen. Die Farbwahl war z.T. grell, bunt und auffallend,
eingesetzt in traditionellen oder modernen Ausdrucksformen wie Fotomontagen,
Environments oder Happenings. Erlaubt war, was populär, verbrauchbar,
auffallend, billig, sexy und witzig schien.
Nach anfänglich ablehnender
Haltung in der Gesellschaft, Empörung und Aufschreien, entwickelte sich die Pop
Art alsbald zur vorherrschenden Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts. Sie
erfreute sich zahlreicher Anhänger, Nachahmer und Bewunderer und die Motive
waren praktisch überall zu finden: Ob nun im Supermarkt um die Ecke (sehr
berühmt sind die Aufdrucke von Campbells Suppendosen), am Zeitungskiosk in den
Comic-Heften oder den Werbebildern der Magazine und Zeitschriften. Bis heute
ist die Pop Art als Gestaltungsmittel äußerst beliebt bei der Werbeindustrie.
Im Gegensatz zur
allgemeinen Auffassung der Gesellschaft und der Medien, steckte hinter der
Darstellung des Trivialen und Massenkonsums bittere Kritik, die von den
Künstlern selbst gern als „Antikunst“ bezeichnet wurde. Zentraler Punkt der
Kritik war die konsumorientierte, kapitalistische Gesellschaft mit ihrer Wegwerf-Haltung, der Ignoranz gegenüber
den Details und kleinen Bedeutsamkeiten, sowie der Blindheit gegenüber der
gesellschaftlichen Entwicklung innerhalb und außerhalb Amerikas.
allgemeine GESTALTUNGSPRINZIPIEN bei Bildern
Die Pop
Art ist an einige wesentliche Prinzipien der Gestaltung gebunden:
· die Hauptanforderung ist die
Darstellung der absoluten Realität, d.h. alle Elemente müssen reine, klar
definierte Gegenstandselemente sein
· die meisten Formen sind wie
in Comic-Heften schwarz umrandet
· verwendet werden klare
Farben, v.a. unbunte (Grautöne) und Primärfarben
· bei der Popart handelt es
sich um Trivialgrafiken, d.h. banale Gegenstände des Alltags werden isoliert,
allein oder in Collagen dargestellt
· es besteht eine Verknüpfung
zwischen Realität und Kunst, die aus eigenen, individuellen abstrakten Mitteln
besteht
EDWARD KIENHOLZ (1927- 94)
und Nancy Reggin (mit der Kienholz ab 1972 als Paar zusammenarbeitete)
Edward Kienholz geht als einer der Künstler in die Geschichte ein,
welche als erstes den Schritt vom dadaistischen Environment zur Objektkunst
wagten. Neben der Objektkunst ist er auch Vertreter der Konzeptkunst und wird
als neodadaistischer Künstler eingestuft. Auch in der Pop Art erscheint er eher
ein Ausnahmekünstler, welcher als Autodidakt nie eine Grafikschule oder
ähnliches besuchte.
Er gewinnt aufgrund seiner vielseitigen Beschäftigungen
zunehmend mehr Einsicht in das alltägliche Leben, hat mit Kranken, Reichen und
weniger gut Situierten zu tun. Den Eindruck, welchen er durch seine teilweise
sehr kurzfristigen Erfahrungen erlangt, dient ihm in seinen späteren Jahren als
Künstler als Grundstein für die Gesellschaftskritik.
Edwards und Nancys Kunst dreht sich bereits von Beginn seines
Schaffens um gesellschaftskritische Themen wie Rassendiskriminierung,
Vietnamkrieg oder Frauenfeindlichkeit.
In ihrer Tätigkeit als künstlerische
Moralisten stellen sie immer wieder das massige Konsumverhalten der Bürger in
Kontrast zu katastrophalen Ereignissen oder Ungerechtigkeiten des sozialen
Lebens.
Ausschnitt aus "the beanery" |
Sie arbeiten vor allem Environments.
das Environment: Man versteht
unter diesem Begriff eine künstlerisch gestaltete Raumsituation, wobei
verschiedene Objekte und Materialien vom Künstler gestaltet und
angeordnet werden. Meist tritt diese Anordnung auch in Kombination mit
Plastiken und Malerei auf. Der Betrachter wird bei einem Environment (welches
auch häufig begehbar ist) mit der direkten Realität konfrontiert.
Die amerikanische Gesellschaft der 60er
- und die Kritik der Pop Art
Die
amerikanische Gesellschaft in der Zeit der aufkeimenden und gedeihenden Pop Art
war geprägt vom Ausdruck des Wiedererlangten Wohlstandes nach dem Zweiten
Weltkrieg. Hollywood florierte, der Amerikanismus gedieh, die Medienindustrie
wuchs, Fortschritt und Profit durchzog die Gedanken der Industrie.
In
dieser Zeit des Patriotismus fand die Pop Art ihre Wurzel, die Hauptausprägung
jedoch in einer wesentlich kritischeren Zeit.
Der Kalte
Krieg beherrschte das weltpolitische Geschehen dieser Zeit und 1962 fand er mit
dem Höhepunkt der Kubakrise eine neue Dimension. Am „schwarzen Samstag“
(27.10.1962) kam es fast zum Ausbruch eines Nuklearkrieges durch die
Bombadierung eines sowjetischen U-Boots mit Nuklearwaffen. Die Krise konnte im
letzten Moment verhindert werden, doch viele Vorgänge und Aktionen der
amerikanischen Regierung wurden vor der Bevölkerung geheim gehalten, um das
„Gesicht der moralischen Korrektheit“ zu bewahren. Allerdings war sich
insbesondere die intellektuelle Schicht im Klaren, dass mehr hinter der Sache
steht.
Ähnliches
geschah auch während der Geschehnisse des Vietnamkrieges, der während der 60er
durch die militärische Invasion Amerikas gezeichnet war. Die Regierung ließ die
Bürger über den Großteil ihrer Unternehmungen während des Krieges im Unklaren,
jedoch sah man sich im „moralischen Recht“ und machte dies in allen Bereichen
deutlich.
Glücklicher Weise änderte sich diese Haltung in erster
Linie außerhalb der USA alsbald, nicht zuletzt durch die offene
Berichterstattung der Reporter im Kriegsgebiet, die das wahre Ausmaß an
Brutalität und Zerstörung verdeutlichten. Studenten organisierten z.B. als
Protestaktion den „zivilen Ungehorsam“ der auch im Zusammenhang mit der
afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung stand (Leitfigur: Martin Luther King
jr.), welche ebenfalls schnell im Ausland auf Gehör stieß.
Die
Künstler der Pop Art versuchten mit ihrer Darstellung des Trivialen der breiten
Bevölkerung ihre eigentliche Oberflächlichkeit nahe zu bringen, besonders angesichts
der erschreckenden Taten und Haltungen ihrer Regierung und der Bevölkerungsmasse.
Während sich im eigenen Land ein Teil der Bevölkerung gegen Ungerechtigkeiten
und Misshandlung von Mitbürgern wehrte, galt das Interesse der weißen Gesellschaft
dem Konsum und ihren menschlichen Idolen. Dabei stellten sich die Künstler die
Frage, wie weit sie ihre Kunst trivial gestalten mussten um Trivialität zu
enttarnen. Leider gelangen diese Absichten der Entlarvung nicht immer. Die
Kritik wurde nur von denen entdeckt, die wachen Auges durch die Gesellschaft
spazierten, große Teile der Gesellschaft selbst sahen die Antikunst jedoch als
Bestandteil der Medien und des Konsums. Die Künstler wollten den Rezipienten
ihre eigene Oberflächlichkeit, Bereitschaft zum Luxus und Glätte
spiegelbildlich vor Augen setzten, eine Aufforderung in sich zu gehen und zu
prüfen. Doch war die künstlerische Abbildung der kommerziellen Wirklichkeit zu
perfekt arrangiert um durchsichtig genug zu sein. Letztlich wurde die Pop Art
für das verwendet, was sie eigentlich zu enttarnen gedachten – Kommerz und
Verkauf.
Erklärungsansätze
für diese vergleichsweise versteckte Kritik lassen sich aus der sehr guten
werbegrafischen Ausbildung der Künstler und der dadurch resultierenden
fehlenden Spannung zwischen Dargestelltem und Rezipienten herleiten. Doch letztlich
bringt vielleicht genau diese Unfähigkeit der Bevölkerung, ihre eigentliche
Trivialität zu erkennen, den perfekten Beweis für die Richtigkeit der Kritik.
Die Pop Art zeigt die Verwundbarkeit der Wohlstandsgesellschaft, die sich
selbst als kulturell vorbildlich und richtungsweisend sieht.
Auszüge aus SCHOOL-SCOUT