Donnerstag, 8. Mai 2014

kl.11 Rene Margritte

René Margritte

 

-->1898-1967, belgischer Maler -->
Er genießt eine Sonderstellung zwischen den anderen Surrealisten seiner Zeit. Anstatt mit traumhaften Bildern und Welten zu arbeiten, stellte er alltägliche Dinge dar, in denen er das Fremdartige sucht, um das dahinter verborgene, rätselhafte sichtbar zu machen. Er erschafft Bilderrätsel und Denkspiele, deren Absurdität erst auf den zweiten Blick auffällt und den Betrachter irritieren soll. Auf den Kopf gestellte Verhältnisse und Wiedersprüche in seinen Werken regen an, über Kunst und Wirklichkeit nachzudenken.
"Warum ist die Wirklichkeit so, wie sie ist?"
Er malte sehr verschiedenartige Bilder, die man in eigene Kategorien einteilen kann.
-->

 

Die Collage-Bilder


"die Kombination von ursächlich nicht zusammengehörigen Realitätsebenen im Bild ist anzusehen als eine malerische Variante der Collage,...

" schön wie die zufällige Begegnung eines Regenschirmes und einer Nähmaschine auf einem Operationstisch" ( 1870 Compte de Lautréamont, Schriftsteller) diese Aussage bildet knapp und anschaulich die Ästhetik des Surrealismus ab, indem er sagt schön sein nicht irgend eine Harmonie oder eine wirklichkeitsgetreue Darstellung, sondern schön sei die zufällige, widersinnige Kombination von Realitätseben. Die Collage Bilder sind also: Die systematische Ausbeutung des zufälligen unter künstlich provozierten Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten und einer augenscheinlich dazu ungeeigneten Ebene - und der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten überspringt. Die Collagen artikuliert Unbehagen und irritiert damit; die Verblüffung ist eine der Effekte, die schon Dada im Auge hatte.



Die Sprach-Bilder


Magritte konfrontiert eine bildliche und eine sprachliche Behauptung die einander auszuschließen scheinen. Er demonstriert damit, dass das Bild auf einer anderen Realitätsebene funktioniert als das abgebildete. Es sind reflektorische Bilder, die auf erläuterndem Wege das Verhältnis zwischen Kunst und Realität behandeln.

Der denkerische Ansatz Magrittes bildet nur scheinbar einen Gegensatz zu den Intentionen der Surrealisten, denen man nicht gerecht wird, wenn man sie als rein irrationale eingeschätzt. Letztlich geht es den Surrealismus immer wieder um die Stärkung des Bewusstseins (natürlich auch hinsichtlich des Unterbewussten).

"Dadurch, dass die surrealistische Bewegung die Beziehungen der Realität untereinander um stürzte, konnte sie nur zur Beschleunigung der allgemeinen Gewissens-und Bewusstseins Krise unserer Tage beisteuern."( Max Ernst)  Stärkung des Bewusstseins über dessen Störung ist das Ziel.

Weder Sprache noch Darstellung sind Abbilder; sie sind Instrument hallo Systeme, Medien, mit deren Hilfe und unter deren Voraussetzungen Realität auf der Ebene des Scheins vergegenwärtigt wird.



Die Bild-Bilder


Diese Bildideen sind keine willkürlichen Gags, sondern Ergebnisse systematischer Überlegungen zur Funktion und zur Möglichkeit von Abbildungen, von flächiger und illusionistischer Darstellung, von deren Wechselbeziehungen und von mehreren, durch Bilder im Bild erzeugten Realitätsebenen. Ausgehend von dem Wissen um die Nichtidentität malte Magritte eine Serie von Bildern, die eine solche Identität vortäuschen und damit unmittelbar auf die Praxis von Wahrnehmungvorgängen eingehen.

Zum Beispiel das Fenster als Verbindung zwischen innen und außen; das Bild als Fenster durch das man (z. B. auf die Realität) schaut. Dieses Spiel von innen und außen gilt natürlich auch für die Wahrnehmung des Betrachters.

"Die Falle besteht in der unvermeidlichen Interpretation, zu welcher die Symbolliebhaber bestimmt ihre Zuflucht nehmen werden; und sie werden somit an alles andere denken (an einen symbolischen Sinn), nur nicht an den absoluten Gedanken, den doch gerade dieses Bild beschreibt."



Die Verwandlungs-Bilder


" die Freude an jeder gelungenen Metamorphose entspricht nicht einem elenden ästhetischen Distraktionstrieb, sondern dem uralten vitalen Bedürfnis des Intellekts nach Befreiung aus dem trügerischen und langweiligen Paradies der fixen Erinnerungen und nach Erforschung eines neuen, ungleich weiteren Erfahrungsgebietes." (Max Ernst)

Die Malerei vermag nicht Existierendes anschaulich zu machen. Mithilfe der Metamorphose verweist Magritte künstlerisch auf Assoziationen beziehungsweise Vorstellungen des Betrachters. Mitunter gibt es psychologisch zu erklärende Bezüge, mitunter existiert die Metamorphose um des Rätsels willen.




Die Kombinations-Bilder


Gegenstände werden von ihren Funktionen und aus ihrem Kontext heraus isoliert und neu zusammengefügt. Durch diese Kopplung des scheinbar Bekannten wird auf unvertraute Zusammenhänge hingewiesen und funktionieren sie als Modelle der Fantasie. Zündung oder Erkenntnis sind nur möglich, wenn die zusammengefügten Realitätsfragmente sich von Anfang an nicht beziehunglos zueinander verhalten . Die Elemente der Kombinatorik bei Magritte: der Ausgangsgegenstand und der zu ihm im inhaltlichen Bezug stehende, konfrontierte Gegenstand und der beiden im Bild gemeinsame Hintergrund oder Umraum.


-->
In der surrealistischen Malerei unterscheidet man zwei Tendenzen: Während Künstler wie Dalí und Magritte versuchten, realistisch dargestellte Objekte der Erfahrungswelt aus ihrem Kontext herauszunehmen und in neue, irrationale Sinnzusammenhänge einzubinden (veristischer Surrealismus), entwickelten Miró oder Arp eine zu abstrakt-organischen Formen tendierende Zeichenwelt (absoluter Surrealismus). 
Hier zB: Joan Miro





 

 




Darüber hinaus entstanden surrealistische Photographien und surrealistische Filme. 
Hier zB: Chema Madoz

Montag, 20. Januar 2014

kl.11 die klassische moderne



ihr habt folgende aufgabe:
schaut euch bitte
dieses video (dauert ca 14 min) 
in ruhe an!

Dienstag, 14. Januar 2014

Kl. 12 Kunst, Thema: DESIGN

Eure Aufgaben:

  1. Informiert euch, damit ihr wisst, was ihr lernen wollt, was wir vertiefen wollen. Schaut im Netz nach, in der Bibliothek...
Was neue Ideen angeht: www.designboom.com
Mir liegt der Aspekt des Recycling am Herzen. Also: verwenden, was schon da ist, keine neuen Rohstoffe verschwenden, und daraus ein überaus überzeugendes neues Gebrauchsutensil schaffen.
  1. Das heißt: Sammeln!! Alles suchen und finden, was man, irgendwie/ eventuell für eine Tasche gebrauchen kann.  Wenn du es nicht brauchst, dann vielleicht dein Nachbar ...
Ob man sich dabei als bauhäuslerischer Purist oder manieristisch verspielt austoben will, entscheidet sich an eurem inneren Standpunkt (und am handwerklich-künstlerischen Vermögen).
3.  Sucht und findet einen Stuhl (als Abbildung), den ihr besonders schlimm findet, und einen, den ihr gerne hättet. Begründet. Das ist eine Hausaufgabe, die ihr mir bis zum 
21.3.14  abgebt (1-2 DinA4 Seiten).


Themen für Referate, zum Suchen, Nachdenken + Nachlesen


  1. Wohnkultur als Ausdruck bürgerlicher Macht: Nachahmung des Adels oder die Entstehung von Kitsch durch serielle Produktion. Massenware im Kampf gegen das handwerklich hergestellte Unikat

  1. Von der Werkstatt zur Fabrik: die Trennung von Entwurf und Produktion im Zuge der industriellen Entwicklung, die Entstehung eines neuen Berufsbildes.(Bsp. Firma Thonet und der Stuhl Nr. 14)

  1. Reformbewegungen als Antwort auf das Industriezeitalter: Arts&Craft-Bewegung in England, der Deutsche Werkbund, Jugendstil). Über die Frage nach einer Verbindung von Kunsthandwerk und Technik.

  1. Die Idee der „Corporate Identity“ – Peter Behrens und AEG in Deutschland

  1. Zwischen den Kriegen: Revolution und Avantgarde , zB. der niederländische „De Stijl“ (Gerrit Rietveld, rot-blauer Stuhl)

  1. Das bauhaus in Deutschland als Zentrum der Moderne: Funktionalismus und Erschwinglichkeit durch die Einheit von Kunst, Handwerk und Industrie (Stahlrohrmöbel von Breuer, die Frankfurter Küche im Vergleich mit der Küche im Haus am Horn)

  1. Stromlinienform als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise: Kaufanreiz durch Styling. Von der Stabilisierung der Wirtschaft durch Erzeugung von Kauflust gestern und heute

  1. Die Ulmer Hochschule als Nachfolgerin der Bauhausidee und „Die Gute Form“ als Markenzeichen aus Deutschland

  1. Alternativdesign als Ausdruck von Kritik an der Konsumgesellschaft (POP im Wohnbereich, Wohnlandschaft und antiautoritäre Erziehung, Recycling-Design)

  1. Der Aufschrei der Postmoderne: Memphis und Alchimia als italienischer Impuls zu einem freien Umgang mit Form, Farbe und Material

  1. Öko-Design: fixe Idee oder simple Notwendigkeit?
 

Mittwoch, 11. September 2013

kl.11 grundbegriffe: farbe

Farbsysteme
Der Sinn von Farbordnungssystemen ist, Farben und die Zusammenhänge zwischen Farbtönen zu beschreiben. Diese Ordnungssysteme bzw. Modelle unterscheiden sich. Zu beachten ist, dass sie aus unterschiedlichen Zeiten stammen, sich von unterschiedlichen Seiten dem Thema nähern und unterschiedliche Ziele verfolgen.
Ein Farbsystem entwickelte Johannes Itten während seiner Lehrtätigkeit von 1919 bis 1923 im Bauhaus Weimar. Wir arbeiten hier mit diesem.
Ittens Farbtheorie:
Der Farbkreis

Aufgepasst: 
Um die Farbmischungen korrekt zu erhalten, muessen wir statt des Ultramarinblaus ein CYANblau, und statt des knalligen Rots ein MAGENTArot verwenden!


Die Farbkontraste

ein ausführlicher link: relevant hier sind die Farbsysteme, die Farbkontraste und die Symbolik (unter "Phänomen Farbe")
http://www.seilnacht.tuttlingen.com/farbe.htm

Samstag, 27. April 2013

abstrakt-abstrahiert


Abstrakte Kunst (auch gegenstandslose Kunst) ist eine Kunstrichtung, die mit dem Anfang des 20. Jahrhunderts begann, als die ersten Maler sich immer weiter von der Wiedergabe oder Interpretation der realen Welt in ihrer Malerei entfernten. Unter die Bezeichnung fallen sowohl „abstrakt-abstrahierende“ wie „abstrakt-gegenstandslose“ Werke. Erstere abstrahieren vom Gegenstand, letztere bedienen sich autonom der malerischen Mittel ohne jeden Gegenstandsbezug. (wikipedia)
Geht man vom Begriff 'abstrahieren' aus, dann heißt dies "etwas abziehen". Es gibt also etwas Ganzes ...von dem etwas abgezogen werden soll. Ziehen wir von hundert zehn ab, bleiben 90 übrig. Bei der Abstraktion im Bildnerischen ist das nicht so. Ziehen wir z.B. von einem Gesicht Pickel ab, so ist das Ergebnis nicht weniger, sondern zumindest anders, eher ist es sogar mehr. Es ist vom Zufälligen befreit.

Pablo Picasso, "Stier", 5.12.1945 bis 17.1.1946, Lithografie, ca. 29x42 cm
Diese Serie von Picasso ist ein gutes Beispiel um zu demonstrieren, was Abstraktion kann. Das was als "wesentlich" erscheint kann immer neu gesehen werden.

1. Zustand
Man kann hier den ikonischen Ursprung deutlich nachvollziehen











2. Zustand
Hier wird das Elementare des Animalischen herausgearbeitet.












3. Zustand
Proportion und Kraft könnten hier im Zentrum stehen.












4. Zustand
Vielleicht hier das animalisch Dumpfe, das "Fleisch".
            












5. Zustand
 
Ein Wechsel in Richtung 'Formulierung' findet statt, das Ikonische verliert an Bedeutung, innere Bezüge und Kraftlinien treten deutlicher hervor.










6. Zustand
Der dem Stier eigene wuchtige Schädel wird hier fast ironisch ästhetisiert, Die Arbeit reibt sich auf zwischen motivlichen und bildnerischen Anschauungen.








7. Zustand
Die bildnerischen Elemente treten eindeutig in den Vordergrund und bekommen auch eine eigene Wertigkeit. Die Begrenzungslinie wird hier herausgearbeitet, auch der Schädel bekommt damit ein neues Gewicht. Die innere Flächengliederung erfasst verschiedene Kraftzentren.






8. Zustand
 
Das feinteilige Liniengeflecht verzichtet auf alle der üblichen Anschauung verpflichteten Elemente, Ikonisierungen bleiben erhalten im Bereich des Schwanzes und des Genitals. Ansonsten ist die Arbeit charakterisiert durch innere Formbezüge, die Massen und dynamische Kraftbeziehungen untersuchen.






9. Zustand

Hier werden diese Ergebnisse noch einmal komprimiert. Der Schwanz bekommt einen höheren Abstraktionsgrad und wird dadurch in seiner Kraftentfaltung akzentuiert.








10. endgültiger Zustand
 
Alles wird auf den Umriss reduziert, die Wucht wird durch die Kleinheit des Kopfes wieder intensiviert, die erarbeiteten Massenbezüge und Kraftfelder bleiben durch den Umriss hindurch erhalten. Die Rücken- und Halslinie ist ein wunderbares Beispiel, wie energetische Zustände hier ihren Ausdruck finden.
tilmanrothermel.de





Das Eigentliche ist das, was trotz aller Zufälligkeiten, momentaner Modifikationen, und anderer möglicher Einflüsse, das Unverwechselbare, den ganz ureigensten Kern einer Sache oder einer Person ausmacht.
Immer geht es dabei um die Identität, also das, was trotz aller momentaner Wirren unveränderlich erscheint, bzw. ist. Nach außen kann die Identität  immer wieder neue Erscheinungsformen bekommen, nach innen bleibt sie sich treu.
Ziel der Abstraktion ist es, das Wesentliche der Gestalt "herauszuschälen" eben durch "Weglassen". (tilmanrothermel.de)

 Piet Mondrian (1872–1944), Der graue Baum, 1912,
Öl auf Leinwand, 78,5 x 107,5 cm

Der Künstler also entscheidet, was wesentlich ist, was er modifiziert und was er weglässt. Das kann für den Rezipienten ganz anders sein. Es ist nicht gesagt, dass das, was der Künstler als wesentlich ansieht, auch für den Betrachter das Wesentliche ist.

Dienstag, 6. November 2012

kl.12: ueber susan sontag: "Das Leiden anderer betrachten"

Susan Sontag war eine amerikanische Schriftstellerin, eine bekannte intellektuelle Frau, die unter anderem die amerikanischen Verhältnisse kritisierte. Hier geht es um ein Buch von ihr...
Bilder erzählen keine einfachen Geschichten. Sie sind keine "nackte Feststellung von an das Auge gerichteten Tatsachen", wie Virginia Woolf es beschrieb. Auch das Foto, so Susan Sontag, ist hoch subjektiv. Bis hin zum Vietnam-Krieg gar fand man kaum etwas dabei, Bilder, die das Grauen dokumentieren sollten, nachzustellen oder neu zu arrangieren. Zwischen den Absichten des Fotografen und der Perspektive der Betrachter geht das Foto seinen eigenen Weg. Ruft nach Frieden oder schreit nach Rache.

Während der Kämpfe zwischen Serben und Kroaten zu Beginn der jüngsten Balkankriege wurden von der serbischen und von der kroatischen Propaganda die gleichen Fotos von Kindern verteilt, die bei der Beschießung eines Dorfes getötet worden waren. Man brauchte nur die Bildlegende zu verändern, und schon ließ sich der Tod der Kinder so und anders nutzen.

Sontag gesteht dem Betrachter zu, dass das Bild des Abstoßenden, der verletzte, verstümmelte Körper, auch fasziniert. Schon in Platons Staat kann der Jüngling Leontios seine Lust nicht bezwingen, die Körper von Hingerichteten mit weit geöffneten Augen zu betrachten. Die christliche Kunst befriedigte in den Höllendarstellungen den Appetit auf die Schmerzen der anderen.

Allerdings gibt es eherne Gesetze. Fremde, exotische, uns unbekannte Menschen werden schutzloser in ihrem Leiden ausgestellt. Gegenüber Toten, die uns näher sind, erwarten wir Diskretion. Hier bestand immer ein strenges, wenn auch oft verletztes Gebot, sie mit unverhülltem Gesicht zu zeigen. Noch die Darstellung amerikanischer Kriegstoter und Kriegsgefangener im letzten Irak-Krieg und die darauf folgenden Proteste machten dies deutlich.

Je weiter entfernt oder exotischer der Schauplatz, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Toten und Sterbenden unverhüllt und von vorn zu sehen bekommen. So besteht das postkoloniale Afrika im öffentlichen Bewusstsein der reichen Länder ... hauptsächlich aus einer Abfolge unvergesslicher Fotos von Opfern mit weit aufgerissenen Augen.

Manchmal haben solche Gräuelfotos eine eigentümliche Ästhetik, auch das gesteht Susan Sontag zu. Selbst wenn man angesichts der Fotos mit den Ruinen des World Trade Centers einzig davon sprach, sie seien "surreal", so die Schriftstellerin hellsichtig, "verbirgt sich (darin) nichts anderes als die in Ungnade gefallene Idee der Schönheit." Warum kann man die Ambivalenz der verschiedenen Signale, die von einem solchen Foto ausgehen, nicht zulassen?

(Das Foto) fordert: Schluss damit. Aber es ruft auch: Was für ein Anblick!

Mit Recht stellt sich natürlich die Frage, wie mit der stetig wachsenden Flut von Bildern umzugehen ist. Keine neue Frage. Denn zur Kritik der Moderne gehörte von Anfang an die These, "das moderne Leben bestehe aus einer Abfolge von Schrecknissen, die uns verderben und an die wir uns nach und nach gewöhnen". Heutige Stimmen verweisen kulturkritisch darauf, "dass Kriegesgräuel durch das Fernsehen zu einer allabendlichen Belanglosigkeit verkümmert seien." Wir seien zu einer "Gesellschaft des Spektakels" verkommen. Die Wirklichkeit habe abgedankt und die Medien hätten ihre Herrschaft angetreten.  Es wird das Zeitalter der Simulation und der Tod der Realität ausgerufen.

Susan Sontag behauptet also, dass es wirkliche Grausamkeit gibt. Und dass Millionen von Fernsehzuschauern die scheußliche Wirklichkeit nicht nur konsumieren, sondern -mitleiden. Nicht der Verbreitung von Kriegsbildern hafte etwas Zynisches an. Zynisch sei vielmehr der moderne Weltbürger, der versucht, "innere Bewegung um jeden Preis zu vermeiden", um Gewalt weiterhin als Spektakel konsumieren zu können.
Bilder bleiben, so schreibt sie, Appelle. Sie rütteln auf gegenüber dem Schrecken von Krieg und Terror, auch wenn sie davon nur einen abgeschwächten Eindruck hinterlassen.

Es ist kein Fehler, kein Zeichen von Schwäche, wenn wir keine Verbrennungen davontragen, wenn wir nicht genug leiden, während wir diese Bilder sehen. Wir erwarten von einem Foto ja auch nicht, dass es unsere Unwissenheit hinsichtlich der Geschichte und der Ursache der Leiden behebt, die es aufgreift und ins Bild rückt. Solche Bilder können nicht mehr sein als eine Aufforderung zur Aufmerksamkeit, zum Nachdenken, zum Lernen - dazu, die Rationalisierungen für massenhaftes Leiden, die von den etablierten Mächten angeboten werden, kritisch zu prüfen.

aus: Ingeborg Breuer, 11.02.2004, Deutschlandfunk

kl.12: zur relevanz von bildern


Die visuelle Wahrnehmungsfähigkeit geht der Sprachentwicklung voraus. Sofern die Aufmerksamkeit für ein Bild erlangt worden ist, werden bekannte Figuren und Muster wahrgenommen und interpretiert, die dann in den individuellen Erfahrungshorizont des Einzelnen überführt werden. Die Aufmerksamkeit richtet sich in der Regel stärker auf die emotional ansprechenderen visuellen Signale, so dass das gesprochene Wort einen geringeren Stellenwert bei der Wahrnehmung der Informationen erhält. 
Überspitzt formuliert es der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Winfried Schulz: „Während  die Wortnachricht erst durch den „Verdauungstrakt“ der kognitiven Informationsverarbeitung gehen muß, nehmen wir Bildnachrichten gleich intravenös auf.“
Die Überzeugungskraft liegt in erheblichem Maße schon im Einsatz der Bilder selbst. Das Bild genießt Priorität bei der Selektion von Reizen. Durch die affektive Wirkung des Bildes fällt den Rezipienten die Distanz zu ihnen schwer. Es wird den Zuschauern die Illusion vermittelt, dass sie sich durch die visuelle Präsentation als Augenzeugen selbst ein Bild machen können, quasi selbst in das Geschehen involviert sind.
Jeder Kulturkreis besitzt ein Repertoire an Bildern und Symbolen, um die Welt darzustellen und wahrzunehmen. Die Rezipienten versuchen mit der Hilfe visueller Darstellungen, einen Erfahrungshorizont aufzubauen, der ihnen Orientierung ermöglicht. 
Bilder werden demzufolge entschlüsselt, verglichen und eingeordnet. Die Logik der Texte unterscheidet sich von der Logik der Bilder, da die Textlogik argumentativ und die Bildlogik assoziativ verläuft.


Bilder des Politischen

Politiker wissen sehr genau um ihre Wirkungsmacht und versuchen Schlagbilder als fokussierte Dokumente ihres erfolgreichen Tuns zu inszenieren. Dabei kommen sie der Bildästhetik und den Sehgewohnheiten der Rezipienten entgegen.
Der Kunstwissenschaftler Bazon Brock differenziert in seinem Aufsatz „Fotographische Bildererzeugung zwischen Inszenierung und Objektivation“ zwischen einer objektivierenden Realität, die eine außerhalb des fotografischen Mediums vorhandene Realität durch Fotografie transportiert und einer inszenierten Realität, die die Bildwirklichkeit erst konstituiert. Dies entspricht im übrigen auch der Diskrepanz zwischen natürlichen Ereignissen (z.B. Umweltkatastrophen), die auch ohne den Kameraeinsatz stattgefunden hätten und Pseudoereignissen (z.B. Pressekonferenzen), die nur für die Medienberichterstattung arrangiert worden sind.
Es ist weiterhin zu unterscheiden zwischen gestellten Szenen, die fotografiert werden und einer nachträglichen Bearbeitung von Fotomotiven, auf die im Folgenden Bezug genommen wird. Diese Manipulation von Bildern erfordert einen zusätzlichen Bearbeitungsaufwand am Bildmaterial.

Betrachtung von Bildmanipulation

Bilder bieten kein authentisches Abbild der Welt. Schon die Auswahl des Motivs, die Bildgestaltung und der gewählte Bildausschnitt hängen von den jeweils subjektiven Präferenzen, Interessen und Sachzwängen des Fotografen ab. Ein Bildausschnitt wird aus einem breiten Zusammenhang gerissen. Die Perspektive der Aufnahme, der Blickwinkel und der Zeitpunkt spielen eine wichtige Rolle. Auch die Dreidimensionalität des realen Gegenstandes kann durch die Fotoaufnahme nicht abgebildet werden. 
Gleichwohl kann ggf. von einer Ähnlichkeit zwischen dem Bild und dem abgebildeten Objekt gesprochen werden. Die Fotoaufnahme verweist auf ein Referenzobjekt, das eine spezifische Bedeutung besitzt. Daran anknüpfend konstatiert der Kunstgeschichtler Gottfried Boehm: „Das Bild besitzt seine Kraft in einer Verähnlichung, es erzeugt eine Gleichheit mit dem Dargestellten. [...] Das Bild und sein Inhalt verschmelzen bis zur Ununterscheidbarkeit.“
Im Fall sogenannter realistischer Bilder kann es also einen unmittelbaren Wirklichkeitsbezug geben, der das Aussehen des Gegenstandes in einer ähnlichen Form einfängt. Der Fotograf Henri Cartier-Bresson weist in seinem Aufsatz „Der entscheidende Augenblick“ aus dem Jahr 1952 darauf hin, dass im Vergleich „zu allen erdenklichen Ausdrucksmitteln [...] allein die Fotografie einen bestimmten Augenblick“ fixiert. Gleichwohl wird das Bild Bresson zufolge vom Fotografen komponiert.
Durch die Dominanz der Bilder geht Anders zufolge für die Rezipienten die Fähigkeit verloren, zwischen Realität und Schein zu differenzieren. Die Bebilderung des Lebens sei eine Technik des Illusionismus. Es entstehe eine Welt aus zweiter Hand. Anders diagnostizierte bereits vor 50 Jahren eine Bildersucht, die er als „Ikonomanie“ bezeichnet, da die Menschen einem „Dauerregen“ von Bildern ausgesetzt seien. So argumentieren Vertreter der medienkritischen „Überflutungsthese“, auf die der Kunsthistoriker Wolfgang Kemp hinweist, wie folgt:
„Unsere Gedächtnisfunktion, unsere Urteilskraft, unsere Phantasie und unsere Sensibilität – all die psychischen Instanzen, die einen freien und schöpferischen Umgang mit Realitätsangeboten erlauben, würden durch die „Bilderflut“ blockiert, ein bloß konsumierendes Verhalten sei sie Folge.“
Neben dieser Fundamentalkritik an den Bilderflut im Allgemeinen, steht auch die Bildmanipulation im Zentrum der Kritik. Doch was ist eigentlich unter einer Bildmanipulation zu verstehen? Unter einer Manipulation wird dem Journalisten Frank Miener zufolge eine Form der Beeinflussung subsumiert, bei der der Beeinflussende andere Personen zu seinem eigenen Vorteil manipuliert und Einflussmethoden wählt, die für andere nicht durchschaubar sind
•         Löschen bzw. Einfügen von Bildelementen,
•         Die strategische Wahl des Aufnahmestandpunktes,
•         „Optimierung“ durch Helligkeit, Schärfe, Kontrast,
•         Fotoverwendung aus anderen Kontexten
•         Falsche Beschriftung
•         Ästhetisierung
•         Fotokombinationen
•         Fotomontage,
•         Gestelle Aufnahmen
•         Retusche
•                    Digitale Bearbeitung